Bericht vom 30.7.2020

 

Viele Menschen sind verzweifelt

Es ist weniger die Angst vor der Covid 19 Pandemie als die harten, vier Monate dauernden Lockdown Massnahmen, welche vielen Menschen in Nepal an den Abgrund gebracht haben. Arbeitslosigkeit, fehlendes Einkommen, Schulden, steigende Lebensmittelpreise und die erneuten schweren Überschwemmungen während der Monsunzeit haben die eh schon Ärmsten sehr hart getroffen. Ich habe gelesen, dass Hunderte von Menschen den Freitod gewählt haben aus Angst vor dem Verhungern, vor Corona und kompletter Insolvenz. Dazu kommt die fehlende medizinische Versorgung, denn im Lockdown gab es auch keinen öffentlichen Verkehr mehr, sodass auch für viele Kranke eine medizinische Behandlung nicht mehr erreichbar war.

Die Massnahmen haben bis jetzt immerhin eine starke Ausbreitung des Virus verhindert und die Regierung hat eine langsame Lockerung beschlossen. Allerdings steigt damit die Gefahr von Ansteckungen durch Einreisende, v.a. aus Indien. Bereits wenige Tage danach sind neu angekommene Inder in Kathmandu positiv getestet worden.

 

Hilfe gegen die Hunger «Pandemie»

Bereits Ende Mai hatte Shanti Med mit einer breit angelegten Hilfsaktion gegen den Hunger in unserer Region gestartet. Wir konnten dafür auf unser grosses Netzwerk mit Menschen und Organisationen zählen, welche uns schon früher bei Hilfscamps nach dem Erdbeben und den Überschwemmungen unterstützt hatten:

  • Sr. Miriam hat mit unserer Hilfe im Dorf Chisapani ein medizinisches Hilfscamp mit Lebensmittelverteilung durchgeführt hat. Das Dorf leidet noch immer unter den schweren Überschwemmungen der letzten Jahre.


  • Father Michael hat zusammen mit seinem Team die Ärmsten in 21 Gemeinden der Hügelregion mit je einem 25kg Reis-Sack versorgt. Die Empfänger wurden zum Voraus durch die Gemeindebehörden bestimmt. Insgesamt haben 681 Familien ein Sack erhalten. Zusätzlich hat er 43 Säcke an Wanderarbeiter-Familien verteilt, die in unserer Region in Zelten wohnen.


  • In unserem Ratnanagar Spital geben wir bei Bedarf Lebensmittel an Schwangere, junge Mütter, unterernährte Kinder und weitere Bedürftige ab. Unser Sekretär Samin ist zusammen mit unserer Kinderkrankenschwester Pramila dafür verantwortlich. Die zuständigen Ärztinnen müssen für die Abgabe ein «Lebensmittel-Rezept» ausstellen.


  • Unser Niswarth, der "wheely boy", kann an bedürftige Behinderte ein Lebensmittelpaket verteilen.


  • Und wir haben ein Check für 5000 CHF an unsere Gemeindepräsidenten übergeben - zur Hilfe für besonders Notleidende unserer Municipality.


Insgesamt 27'000 CHF hat Shanti Med bisher für diese Aktionen ausgegeben. Damit es nicht beim Tropfen auf den heissen Stein bleibt und sich die Ernährungssituation etwas nachhaltiger erholen kann, haben wir weitere Aktionen geplant. 

Nur Dank Ihnen, unseren Mitgliedern und grosszügigen SponsorInnen, war die bisherige Hilfe möglich. Und ich würde mich freuen, wenn Sie mithelfen, weitere Aktionen durchzuführen. Der grosse Dank der Menschen in Nepal ist Ihnen gewiss.

 

Gute Neuigkeiten aus dem Ratnanagar Spital

Bisher konnte unser Spital die Corona Pandemie gut meistern. Nur ein Fall wurde positiv getestet, der Patient zeigte keine schweren Symptome und konnte zu Hause behandelt werden. Alle vorgeschriebenen Vorsichtsmassnahmen werden recht strikt durchgeführt.

Unser Spital wurde von der Provinzregierung aufgewertet, das heisst wir sollten mehr Unterstützung erhalten. Bereits wurde ein neuer staatlicher Chirurg angestellt, welcher v.a. abdominal Chirurgie, u.a. Gallenblasenoperationen, macht. Und wir haben nun auch eine kleine Blutbank eröffnen können.



Die lange geplanten Umgebungsarbeiten sind endlich fertig gestellt und bringen eine grosse Verbesserung der Sauberkeit im Spital. Nun gilt es noch, die kahlen Blumenrabatten zu bepflanzen und damit den Eingangsbereich des Spitals zu verschönern.

 

 

Jetzt ist es ganz besonders wichtig den notleidenden, hungernden Menschen in Nepal Hoffnung zu geben !

Vor einer Woche musste unser Zivi Andreas Allemann, der schon seit sieben Monaten bei uns als Arzt gearbeitet hatte, auf Geheiss des Bundesamtes für Zivildienst notfallmässig das Ratnanagar Spital verlassen und in die Schweiz zurückkehren. Wir hatten nicht einmal mehr Zeit, um ihm ein wohlverdientes Abschiedsessen zu servieren. Wenigstens haben wir ihm ein Foto von unseren SMN-Angestellten nachgeschickt.

 

Bis jetzt hatte die Regierung kaum über Corona-Ansteckungen informiert. Angeblich wurde vor Wochen ein Patient positiv getestet, dieser sei aber jetzt gesund. Es gibt aber auch keine oder nur wenige Testskits oder Schutzkleider.

Wenigstens werden nun endlich strengere Vorsichtsmassnahmen gegen das Coronavirus eingeleitet.

Die Schulen sind seit letzter Woche geschlossen. Seit drei Tagen hängt das Plakat am Spitaleingang mit der Information, dass in den nächsten 2 Wochen nur noch Notfälle behandelt werden. Und wir haben es noch ergänzt mit den Verhaltensempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit. Allerdings kann dies im Moment nicht eingehalten werden, denn diese Information wird sich nur langsam verbreiten. Auch haben wir in der Dermatologie immer wieder Notfälle, wie schwere Verbrennungen oder Infektionen, die im allgemeinen Notfallzimmer eher schlecht behandelt würden. Wir haben deshalb jetzt nur bis 12 Uhr geöffnet und sehen einzelne andere Dermatologie-PatientInnen.

Die Grenzen Nepals sind geschlossen worden, soweit das überhaupt möglich ist bei der 1800 km langen Grenze zu Indien. Von dort befürchtet man am meisten einen Anstieg der Infektionen in Nepal, weil in Indien die Todesfallrate angestiegen ist. Am Gefährlichsten ist es wohl in der 4-5 Millionen Stadt Kathmandu, viele Menschen dort halten die Regeln nicht ein, können auch nicht, da sie fürs tägliche Überleben kämpfen müssen, z.B. wie all die vielen Arbeitenden im Tourismus, in der Gastronomie,… welche ihre Jobs verloren haben und auch keine Arbeitslosenversicherung haben. 40'000 WanderarbeiterInnen sitzen fest, weil ihre Gastländer ebenfalls die Grenzen dicht gemacht haben. Ihr bereits gekauften Tickets sind alle verfallen.

 

Bei uns in Ratnanagar habe ich nichts gehört von einer Ansteckung. Unseren Angestellten geht es allen gut. Die beiden nepalesischen Ärzte sind allerdings gestern nach Hause gegangen und wollen das Arbeitsverbot strikte einhalten; so halte ich vorläufig mit Suresh die Stellung. Immerhin haben wir genügend Mundschutz und Händedesinfektionsmittel.

Ich hoffe, dass es hier den Umständen entsprechend einigermassen gut weiterläuft und plane vorläufig nicht, meine Heimreise vorzuverlegen.

 

Euch, wo immer ihr in Europa gerade seid, wünsche ich alles Gute, tragt Sorge für euch und eure Lieben.

 

Leider steht nun auch die Arbeit an der Umgebungsarbeit des Spitals still. Ein erfreulich grosser Teil ist allerdings fertig und wir freuen uns, dass nun viel weniger Dreck an den Schuhen in die Gebäude kommt. Damit es Suresh, den Putzfrauen und mir nicht langweilig wird, haben wir angefangen einige Blumentröge anzupflanzen und es macht uns richtig Spass.

 

Kurz vor dem Reise-Verbot hatte ich ein Alters- und Waisenheim in Tansen besucht, welches von den gleichen indischen Ordensschwestern geführt wird wie jene in der Navodaya Schule. Eine der Schwestern ist Pflegfachfrau und behandelt auch arme Menschen aus der Umgebung. Allerdings fehlt es ihnen an Geld, um all die notwendigen Bedürfnisse abzudecken. SMN wird sie nun etwas unterstützen. Wir sind aber selbst auch auf Spenden angewiesen, weil wir in der erneuten landesweiten Notsituation viele Hilferufe bekommen.

 

Unsere Nachbarkinder haben eine grosse Belli-Fruit erhalten und freuen sich riesig.

Mit einer süssen, farbigen Willkommenstorte wurde ich vor einem Monat in Ratnanagar empfangen.

Eine unserer «hilflosen» Patientinnen ist die 25-jährige Sunita. Wegen einer Fehldiagnose in einem externen Spital erhielt sie über Wochen eine hochdosierte Cortison- und Immunsuppressiva-Therapie. Dadurch entwickelten sich schliesslich schwere Nebenwirkungen mit beidseitigen Oberschenkelkopf-Nekrosen, sodass sie nur noch langsam hinkend und unter Schmerzen gehen konnte. Mit Hilfe von unserem Volontär Dr. Markus Renggli haben wir sie sehr gut abklärt und schliesslich einem guten Orthopäden vorgestellt, welcher die Patientin nun operiert hat. SMN wird die Operationskosten übernehmen, weil sich die Patientin diese nicht leisten könnte.

Die Arbeit im neuen Gebäude macht sehr viel Freude. Allerdings haben wir gerade einen grossen Wasserschaden, weil der Schlosser nicht sachgemäss gearbeitet hat, er ist ja dazu auch nicht ausgebildet.

175 nepalesische StudentInnen hatten seit dem Ausbruch der Corona-Virus Epidemie ungeduldig auf die Evakuierung aus der Region Wuhan gewartet. Doch in Nepal war keine Schutzkleidung vorhanden. Dank SMN konnte geholfen werden: Wir hatten vor 2 Jahren mit dem Container eine grosse Menge solcher, nach der Ebola-Gefahr nicht gebrauchter, Schutzkleider erhalten. Zuerst hatte ich mich geärgert, denn wir hatten hier ja auch keinen Bedarf dafür. Glücklicherweise hatte ich die vielen Schachteln, zwar widerwillig, in unserem Lager gehortet. Und nun konnten wir diese endlich loswerden; dank dieser Virusschutz-Kleider konnten die StudentInnen vor einer Woche endlich nach Nepal zurückgeholt werden. Die Virus-Teste waren bei der Ankunft bei allen negativ; in zwei Woche werden diese nochmals wiederholt und die StudentInnen können dann wohl die Quarantäne verlassen.

Die Schweizer Botschafterin Elisabeth Capeller war bei uns auf Besuch. Das Spital-Komitee mit dem Gemeindepräsidenten hat ihr einen schönen Empfang bereitet und er war des Lobes voll für Shanti Med.

Letzte Woche war Thomas Brack, Verwalter des Limmattal Spitals, mit einem 5-köpfigen Team hier. Die ganze Woche gab’s Sitzungen mit allen möglichen wichtigen Leuten aus dem Spitalkomitee, Parlamentariern und Angestellten. Ausführlich haben wir über eine aktive Spital-Partnerschaft Limmattal/Ratnanagar diskutiert und uns über eine längerfristige Strategie geeinigt. Ziel ist es, sobald wie möglich ein neues Gebäude für Geburtshilfe/Gynäkologie zu erstellen.

Die Vergrösserung der Geburtshilfe/Gynäkologie ist sehr dringend, denn auch hier nehmen die Zahlen dauernd zu. Mittlerweile haben wir bereits 50 Geburten pro Monat.

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